Geschichte

 

Die Geschichte des Unternehmens begann 1909 in Hamamatsu, einer kleinen Stadt 200 Kilometer von Tokio entfernt. Hier gründete Michio Suzuki, Sohn einer wohlhabenden Baumwollpflanzerfamilie, eine Textilmaschinenfabrik. Dank der Weitsicht seines Gründers dehnte sich das Unternehmen bald auf andere Bereiche aus. Zu jener Zeit war Japan technisch noch weit zurück: Anfang der 20er-Jahre gab es keine Kraftfahrzeugindustrie - das Land musste pro Jahr etwa 20'000 Fahrzeuge importieren, ohne jedoch der wachsenden Nachfrage nur im entferntesten gerecht zu werden. Diese Marktlücke versuchte Michio Suzuki sich zunutze zu machen. Er erstand ein englisches Automobil, einen Austin "Seven", das er zusammen mit seinen Technikern genau studierte. Im Laufe weniger Monate bauten sie daraufhin ein ähnliches Gefährt - den ersten Wagen, der in Hamamatsu entstand. Doch als die Entwicklungsarbeiten fast beendet waren, schränkte die japanische Regierung die Herstellung "nicht lebenswichtiger" Güter ein, woraufhin Suzuki das Projekt aufgeben musste.

Erst nach dem zweiten Weltkrieg belieferte das japanische Werk den Markt mit jenem Produkt, für das es so berühmt werden sollte: Anfang der 50er-Jahre beschloss nämlich Shunzo Suzuki, der damalige Generaldirektor der Firma, dass es angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten an der Zeit sei, sich nach anderen Produktbereichen umzusehen, um nicht einen großen Teil der Belegschaft entlassen zu müssen. Der Bereich der Individualverkehrsmittel schien damals vielversprechend. Ihr Debüt auf dem Motorradmarkt feierte die Firma 1952 mit einem von einem 36 ccm-Motor getriebenen Fahrrad. Der Kleinmotor namens Power Free war auch einzeln erhältlich. 1953 kam eine stärkere Version des Power Free mit 60 ccm Hubraum ins Angebot. Eingebaut in einen verstärkten Fahrradrahmen mit Teleskopgabel und Trommelbremsen, hatte er in Japan und einem Teil Asiens recht großen Erfolg - so viel, dass sich die Firma 1954 in Suzuki Motor Co. Ltd. umbenannte und den Textilbereich gänzlich aufgab.

Den Aufschwung hatte das Unternehmen nicht zuletzt seinem ersten Leichtmotorrad, der Colleda, zu danken, die als Einzylinder-Viertakter mit 90 ccm Hubraum Ende 1953 präsentiert wurde. Auf die 90 ccm-Version folgten bald andere mit 100 und 125 ccm-Zwei- und Viertaktmotoren (Colleda CO). 1955 entstand eine völlig überarbeitete Variante, die Cox, zu der sich bald auch eine Colleda ST mit 125 ccm-Einzylinder-Zweitaktmotor gesellte. 1956 erschien die Colleda TT, die mit ihrem 250 ccm-Zweizylinder-Zweitaktmotor als erstes echtes Suzuki-Motorrad gelten kann. Bis in die 60er-Jahre hinein ging Suzuki allerdings nie über eine Hubraumgröße von 250 ccm hinaus.

1960 beteiligte sich die japanische Firma auf der Isle of Man zum ersten Mal an einem Rennen. Das Suzuki-Team mit seinem 125 ccm-Zweitaktmotor schnitt bei der Tourist Trophy im Vergleich zu den MV-Maschinen allerdings recht bescheiden ab. Im Jahr darauf eröffnete Suzuki ein Verkaufsbüro in Großbritannien, um gezielt in den angelsächsischen Markt vorzudringen. Als Sprungbrett sollten vor allem Rennerfolge dienen - aber die mussten erst erzielt werden. Aus diesem Grund heuerte Suzuki den aus der DDR geflohenen MZ-Fahrer und Techniker Ernst Degner an, der den Japanern bei der Entwicklung einer 50 ccm-Einzylindermaschine behilflich war.

Das kleine japanische Wunder mit seinen 10 PS bei 11'000 U/min erreichte sagenhafte 145 km/h und war bald auf keiner Piste mehr zu schlagen. Mit Degner persönlich im Sattel erzielte Suzuki bei der Tourist Trophy in der 50er-Klasse den ersten Platz und gewann anschließend auch den Grossen Preis von Holland, Belgien und der DDR. Damit hatte Suzuki die ersten Welterfolge in der Tasche.

Nach diesem gelungenen Debüt wollte das Unternehmen seine Rennsportaktivitäten ausweiten und engagierte den Neuseeländer Hugh Anderson, der sich 1963 den Titel in der 50er-Klasse holte. Im gleichen Jahr führte Anderson die neue 125er mit drehschiebergesteuertem Zweizylinder-Zweitaktmotor bei den Weltmeisterschaften zum Sieg. 1964 wagten sich die Suzuki-Ingenieure in höhere Hubraumbereiche vor und entwickelten einen 250 ccm-Zweitakter mit vier quadratisch angeordneten Zylindern, Drehschiebersteuerung, Sechsganggetriebe und Wasserkühlung. Die 250er brachte jedoch nicht den erwünschten Rennerfolg, und so konzentrierte sich das Unternehmen wieder auf die Kategorien der 50er und der 125er.

Als sich Suzuki 1967 offiziell vom Rennsport zurückzog, hatte die Firma fünf Weltmeistertitel in der 50er-Klasse und zwei in der 125er-Kategorie vorzuweisen. Besonders interessant war die Suzuki 50, die in der Saison 1967 startete: Die kleine Zweizylindermaschine erreichte eine Höchstdrehzahl von über 20'000 U/min, eine Spitze von fast 190 km/h und hatte ein Getriebe mit 14 Gängen!

Auch nachdem das Unternehmen dem Rennsport entsagt hatte, blieben die ehemaligen Rennmaschinen siegreich. 1968 zum Beispiel gewann Hans-Georg Anscheid, der privat auf einer Suzuki aus dem Vorjahr gestartet war, erneut den Weltmeistertitel der 50er-Klasse. Und 1970 ging der Preis der 125er an Dieter Braun, der sich auf einer Suzuki aus dem ehemaligen Werksteam beteiligt hatte.

Ende der 60er-Jahre war Suzuki zu einem wahren Riesen auf dem Motorradmarkt herangewachsen und im Bereich der Zweitaktmaschinen sogar führend. Doch das Unternehmen beschränkte sich nicht nur auf die Herstellung von Motorrädern: Suzuki baute Außenbordmotoren, Motorboote, Kleintransporter und Kleinwagen. Zudem entwickelte die Firma ein zunehmendes Interesse für den Geländesport, in den sie bereits Mitte der 60er-Jahre eingestiegen war.

1968 beauftragte Suzuki den schwedischen Moto-Cross-Spezialisten Olle Petterson mit dem Bau einer wettbewerbsfähigen Maschine. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Schon 1969 erreichte die Suzuki bei den Moto-Cross-Weltmeisterschaften in der 250er-Klasse einen dritten Platz; in den drei folgenden Jahren fuhr der Belgier Joel Robert die 250er dreimal zum Sieg. In der 500er-Klasse fuhr Roger de Coster für Suzuki und siegte bei den Weltmeisterschaften von 1971, 1972, 1973, 1975 und 1976.

In der Zwischenzeit hatte das Unternehmen seinen Vertrieb auch auf Europa und Amerika ausgedehnt. Angefangen hatte es zu Beginn der 60er-Jahre mit Modellen wie der T20 Super Six, einer Zweizylinder-Zweitaktmaschine, deren Verkaufserfolg auch durch protektionistische Handelsschranken in Europa und den USA nicht lange aufgehalten werden konnte. 1969 kam die T500 Cobra auf den europäischen Markt, ein 500 ccm-Zweizylindermodell, mit dem Suzuki erstmals in die größeren Hubraumsbereiche kommerziell vorstieß.

Anfang der 70er-Jahre erschienen die Dreizylinder-Zweitaktmodelle GT 380 und GT 550 mit dem neuen Ram-Air-Luftführungssystem. Zur gleichen Zeit kam die 750er mit wassergekühltem Dreizylinder-Zweitaktmotor heraus, die eine Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h erreichte und im deutschsprachigen Raum unter dem Namen "Wasserbüffel" für Furore sorgte. Mitte der 70er-Jahre entstand die RE 5 mit wassergekühltem Wankelmotor, die wegen ihrer vielen Neuerungen technisch noch nicht ausgereift war und sich daher kaum verkaufte. Deswegen beschloss Suzuki 1976, technisch einen Schritt nach vorn zu wagen und auf Viertaktmotor umzusteigen. Noch im selben Jahr kamen die Reihen-Vierzylindermaschine GS 750 sowie eine 400 ccm-Zweizylindermaschine in den Handel. Beide Modelle hatten zwei obenliegende Nockenwellen und fanden viel Anklang.

Im Rennsport hatte Suzuki die Zweitakter beibehalten und 1974 ein neues Modell entwickelt, die RG 500. Mit den quadratisch angeordneten vier Zylindern erreichte das Square-Four-Drehschiebertriebwerk bei 10'500 U/min 105 PS Motorleistung. Die Maschine stellte ihre Fähigkeiten mit einem zweiten Platz beim Grand Prix in Frankreich sogleich unter Beweis. Trotz ihrer Leistungsstärke war die RG 500 ein relativ einfach konstruiertes Motorrad. So beschloss man, es als Production-Racer zu bauen und privaten Rennteams anzuvertrauen. Die Früchte dieser Politik ließen nicht lange auf sich warten. 1976 gewann Suzuki bis auf die Tourist Trophy und den Grossen Preis von Deutschland, zu dem die Firma nicht angetreten war, sämtliche Rennen!

Auch bei den Serienmaschinen zeichnete sich inzwischen ein Run auf die großen Hubraumklassen ab. Suzuki engagierte sich mit einer 850 ccm-Version seiner Vierzylinder-Viertaktmaschine daran. Auf sie folgte bald die GS 1000, deren Viertaktmotor 95 PS leistete. Die massive Produktion von Viertaktern führte bald zum Verschwinden der alten Zweitaktmaschinen. Nur die Moto-Cross-, die Rennversionen und die Mopeds behielten Zweitakter.

Der Trend zu den Big Bikes setzte sich auch 1979 fort, als Suzuki die GSX 1100 anbot, die mit ihrem 1074 ccm-Vierzylinder-Doppelnockenwellenmotor und vier Ventilen pro Zylinder das Spitzenmodell der Suzuki-Modellpalette darstellte. Außerdem wurden damals Mopeds und Leichtmotorräder mit Zweitaktmotoren, Gelände- und Enduromaschinen mit Viertaktmotoren sowie die mittel- und großvolumigen Modelle mit Zwei- und Vierzylinder-Viertaktmotoren produziert.

Die japanische Firma hatte den werbewirksamen Rennsport nicht außer acht gelassen. Beim Moto-Cross häuften die gelben Suzuki-Maschinen Sieg auf Sieg. In der 125er-Klasse war Suzuki von 1975 bis 1985 ununterbrochen Weltmeister! Ähnliches gilt für die Straßenrennen, bei denen die Suzuki-Modelle trotz der starken Konkurrenz immer vorne lagen. 1986 erschien der Name Suzuki mehrfach im goldenen Buch der Weltmeisterschaften: 21 Siege im Moto-Cross, 28 Erfolge bei Straßenrennen und ein Sieg im Geländesport

Als Folge des neuen Trends, der supersportliche Straßenmaschinen mit Grand-Prix-Eigenschaften verlangte, stellte Suzuki Mitte der 80er-Jahre einige besonders sportliche Modelle vor: so die RG 500 Gamma, eine 500er mit Zweitaktmotor, deren vier Zylinder wiederum quadratisch angeordnet waren und die in ihrer Konstruktion stark den Grand Prix-Maschinen ähnelte, oder die 750 R, damals die stärkste Viertakt-Vierzylindermaschine der 750er-Klasse.

Noch stärker war die GSX 1100 R, ebenfalls eine Vierzylinder-Viertaktmaschine mit 1'052 ccm Hubraum, deren luftgekühlter Motor wie bei der 750er nach dem Suzuki Advanced Cooling System zur zusätzlichen Kühlung einen besonders verstärkten Ölkreislauf hatte. Bei einem Gewicht von nur 197 kg und einer Leistung von über 130 PS bei 9'500 U/min erreichte die GSX 1100 R mit Ihrem 16-V-Doppelnockenwellenmotor eine Spitze von 260 km/h.

Suzuki engagierte sich auch auf dem Enduro-Markt. Schon in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre hatte das Werk einige große Viertakt-Einzylinder mit 370 ccm entwickelt, stieg aber bald auf 500 und 600 ccm-Modelle um. In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre wurde die mächtige DR 750 Big der Öffentlichkeit vorgestellt, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens mit ihrem 750 ccm-Einzylinder-Viertaktmotor die größte damals produzierte Einzylindermaschine war. Trotz aller technischen Neuerungen (vier Ventile pro Zylinder, Doppelzündung, SACS-Kühlung, Elektrostarter) wog die Maschine nur 175 kg und war mit ihren 52 PS bei 6'600 U/min sowohl für den normalen Straßenverkehr als auch für Geländeeinsätze gut ausgerüstet.

Suzuki versuchte sich an noch ausgefalleneren Modellen wie der Van Van aus den 70er-Jahren und der Katana-Serie aus den 80ern. Doch das futuristische Styling gefiel vielen Käufern nicht, so dass Suzuki die Linie ihrer Katana-Serie etwas marktkonformer gestalten musste.

Diesen stilistischen Spielereien standen technische Neuerungen wie zum Beispiel die XN 85 mit 670 ccm-Turbomotor von 1982 gegenüber. Der Motor war ein klassischer Suzuki-Vierzylinder, aber der zusätzlich eingebaute Abgasturbolader und ein über Mikroprozessoren gesteuertes Einspritzsystem machten aus der XN 85 etwas Besonderes. Ihre Höchstgeschwindigkeit lag bei über 200 km/h und sie hatte atemberaubende Beschleunigungswerte.

In den 80er-Jahren kamen neben der RG Gamma mit 500 ccm auch kleinere, leistungsstarke Zweitakt-Straßenmodelle ins Programm, etwa die RG 250 Gamma, deren Zweizylinder-Zweitaktmotor mit seinen fast 50 PS Leistung das nur 140 kg schwere Fahrzeug auf 190 km/h beschleunigte. Mit ihrem flüssigkeitsgekühlten, membrangesteuerten Motor und dem SAEC (Suzuki Automatic Exhaust Control) hielt die kleine 250er auch mit größeren Maschinen mit.

Nicht zu vergessen sind auch die Chopper von Suzuki. Auch hier hatte Suzuki eine eigene Interpretation des Genres anzubieten: Die VS 1400 Intruder mit einem mächtigen Zweizylinder-V-Motor und amerikanisch gestyltem Rahmen war ein klassischer Vertreter dieses Motorradtyps.

Daneben baut Suzuki auch eine Touren-Modellreihe. Die GSX 1100 G mit ihrem bärenstarken Vierzylindermotor und Kardanantrieb welche von der GS 750 abstammte war ein ideales Motorrad für Langsteckenfahrer. Mitte der 90er-Jahre lancierte Suzuki Ihre Bandit-Reihe. Dieses klassische Tourenmotorrad ist mit 600 und 1200 ccm Hubraum in unverkleideter Ausführung oder mit einer Kopfschale erhältlich.

1998 brachte Suzuki mit der GSX-R 1300 Hayabusa das schnellste je gebaute Serienmotorrad heraus.

Für die Saison 2000 überarbeitete Suzuki die GSX-R 750 wieder einmal total. Die neueste Version dieses Klassikers wiegt trocken nur noch 166 kg und bricht auch sonst wieder einmal alle Rekorde. Nachdem für die Saison 2000 auch die kleine Bandit (600ccm) komplett überarbeitet wurde, wird ab 2001 auch die große Schwester (GSF-1200) modifiziert: Neue Kopfschale, elegantere Linienführung, völlig geänderte Leistungskurve, etwas kürzerer Radstand, geänderter Lenkkopfwinkel, überarbeitete Federelemente, 310mm-Bremsscheiben mit 6-Kolben-Bremssättel ...

Neuheiten 2001: Brandneue GSX-R 1000, neue GSX-R 600, die schon länger angekündigte, überarbeitete GSF-1200 (Bandit), modifizierter AN 400 (Burgman), neuer 125er-4-Takt-Roller (UE 125), sowie ein neuer 800er-V2-Chopper mit Kardan (VL-800 - Volusia) sowie die Off-Rad-Ausführung der DR-Z 400 neu mit Elektrostarter. Außerdem werden diverse Modellpflegen vorgenommen. Nahezu alle Modelle sind in neuen Farben erhältlich. Ab dem Spätsommer 2001 ist Suzuki GSX-1400 und damit der "dickste" Reihen-Vierzylinder aller Zeiten erhältlich

 

Copyright © 2007 -  Marco Weitzel